Wandlungsprozesse und Zyklen im eigenen Leben

Natürliche Wandlungsprozesse

Ein zentrales Element in der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind die 5 Wandlungsphasen. Es handelt sich um Phasen, die einen zyklischen Verlauf beschreiben, den ein Leben, eine berufliche Entwicklung, ein Projekt, ein Tag … in natürlicher Weise durchläuft. Die Betrachtung dieser Phasen gibt einen guten Anhaltspunkt um die Wechsel zwischen Aktivität und Regeneration, Aufbau und Loslassen, Extroversion und Introversion, Öffnung und Rückzug ... in ihrem natürlichen Aufeinanderfolgen, besser zu verstehen.

 

Dieser Wechsel von „Yin und Yang“, wie diese Polaritäten genannt werden, vollzieht sich in 5 Phasen, bekannt als die 5 Wandlungsphasen oder  5 Elemente der TCM. Der zyklische Wechsel ist notwendig um Entwicklungs- und Wandlungsprozessen einen gesunden und produktiven Verlauf zu verschaffen. Das Thema Burnout taucht auf, wenn die Phase des Yang, des begeisterten Brennens, des Erfolgs und der Ausdehnung nicht mehr verlassen wird. In der heutigen Zeit ist das mehr als verständlich, denn die Ausprägungen des Yang, des „Feuers“ werden besonders wertvoll eingeschätzt: Geschwindigkeit, Aktivität, Leistung, Stärke, Sichtbarkeit und Erfolg... Es ist der Moment in einem Werdegang, der das stärkste Gefühl für Selbstverwirklichung verleiht: Blühender Erfolg und eine starke Identifizierung.

 

Für die Ärzte der traditionell Chinesischen Medizin (TCM) war schon immer die Gesunderhaltung der Patienten oberste Direktive. Ein chinesischer Arzt wurde von den Gesunden bezahlt, nicht von den Erkrankten. Sie wussten dabei um die Notwendigkeit des Gleichgewichtes zwischen den Polaritäten Yin und Yang. Ein Gleichgewicht, das dadurch entsteht, dass kein Stillstand entsteht im natürlichen Verlauf aller Phasen:

Jeder Prozess beginnt mit einem Neuanfang, einem zielstrebigen Vorandrängen, dass zur Verwirklichung einer Vision führt. Flexibilität und Konfliktbereitschaft werden benötigt um die Pläne umzusetzen. In einem gesunden Verlauf führt diese Phase zur Ausdrucksmöglichkeit der eigenen Ziele und Wünsche. Immer mehr Selbstverwirklichung und Identität im eigenen Tun entsteht. Ein positives Brennen, starke Produktivität und Sinnhaftigkeit, begeisternder Erfolg.  Die Entwicklung von der Wandlungsphase "Holz" zur Wandlungsphase "Feuer" geschieht ganz einfach.

 

Der Wechsel in die nächste Phase fällt den meisten Menschen schon etwas schwieriger, denn der Erfolg und die starke Identifizierung muss einer realistischen Einschätzung der eigenen Kapazitäten weichen. Verantwortung muss übernommen oder auch delegiert werden. Der Körper meldet sich stärker zu Wort und auch die soziale Situation bildet in dieser Phase eine Grundlage, um im gesunden Verlauf eine Stabilität und eine befriedigende Abrundung, eine Art „Erntezeit“ mit dem Prozess zu erreichen. In der Wandlungsphase "Erde" mit "beiden Füßen wieder fest auf den Boden (der Tatsachen) kommen".

Verlässt man an dieser Stelle den Zyklus und möchte lieber zurück zur Phase des strahlenden Erfolgs ist ein Ungleichgewicht eingeleitet und der Burnout beginnt. Wie beim „Schwimmen gegen die Stömungsrichtung“ verbraucht sich die eigene Energie sehr stark. Erfolge stellen sich nicht mehr als natürlicher Ausdruck dieser Phase ein, sondern müssen mit unangemessen viel Kraft selbst erzeugt werden. Entweder man versucht durch Festhalten von Bewährtem den Erfolg zu konservieren, oder wechselt sogar in die noch frühere Phase und aktiviert noch einmal die zielsetzenden Kräfte des Neubeginns. Aber auch diese Bewegungsrichtung zehrt enorm an der eigenen Energie. Was in der natürlichen Phase des Neubeginns spielerisch entwickelt wurde, benötigt jetzt eine kontrollierende Durchsetzungskraft, welche andauernd gegen aufkommende Hindernisse stößt. Spätestens jetzt treten die körperlichen Störungen und Belastungssymptome auf, welche den fälschlich eingenommenen Phasen der TCM entsprechen.

Der natürliche Zyklus der Wandlungsphasen verläuft von der Phase des „Erntens“ aus „mit der Strömungsrichtung“ weiter in eine ganz andere Richtung. Zu einer Wandlungsphase, die in der westlichen Welt wohl am schwierigsten zu verstehen ist, dem sogenannten "Metall". Diese Phase kommt bei jedem Wechsel, jeder Umbruchsphase oder Lebensveränderung, auch in den Wechseljahren zum Tragen. Man kann den Prozess in der Natur im Herbst gut beobachten: Im Herbst ziehen sich die Säfte eines Baumes zurück in den Stamm. Die ausdrucksstarken Blätter werden losgelassen. Der Samen des Baumes überdauert den Winter.  

 

In der Übertragung auf den Arbeitsprozess bedeutet die Phase eine Konkretisierung und Entwicklung der wesentlichen Aspekte und die Klärung des eigenen Wertesystems. Eine wertschätzende Haltung sich selbst und der Situation gegenüber entwickelt sich wenn die „Erbinformation der Samen“ dem eigenen Wertesystems entsprechen. Grenzen erspüren und setzen lernen, sich von ungesunden Verhaltensmustern zu trennen ist Notwendig um in die nächste Phase der Stabilität zu gelangen.

Der Prozess kommt in der Wandlungsphase "Wasser" zu einer Ruhe, die man am ehesten mit einem sanft fließenden Fluss beschreiben könnte, auf dem das Paddeln des Bootes unnötig ist. Eher entsteht hier der Mut sich dem Prozess vertrauensvoll hinzugeben. Gelassenheit kann entstehen, aber auch eine präsente Wachheit mit der immer noch „weiterfließen wollenden“ Entwicklung. Denn auch in dieser Phase endet der Zyklus nicht, sondern geht wieder in eine Phase des Neubeginns über.

 

Dieser gesunde Zyklus der Wandlungsphasen wurde zwar vor einigen tausend Jahren bereits beschrieben und erkundet, er hat aber für das Thema Burnout auch heute Bedeutung. Durch die ganzheitliche Sicht der TCM wird ein hilfreicher Weg der Auseinandersetzung beschrieben, der das Feststecken und Zurückweichen in überholte Verhaltensweisen und bereits durchlebte Phasen überwinden hilft und statt dessen in die Strömungsrichtung eines gesunden Lebens leitet. Uns dadurch wieder in Fluss bringt.

 

© Annett May  2013

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