Verlaufsphasen eines Burnout

Unser berufliches Leben kann man als eine Reise durch folgende Phasen beschreiben:

 

Phase eins: Enthusiasmus & Idealismus

 

Typischer Berufsanfänger. Hier will man durchstarten. Alles erreichen. Riesige Energie wird in die Arbeit investiert. Für Freunde, Privatleben und Hobbies bleibt da nur wenig Zeit. Die erzielten Erfolge geben uns ein Gefühl und Grenzenlosigkeit und Unentbehrlichkeit. Es kommt zu Selbstüberschätzung und unrealistischer Planung. Je größer der Erfolg ist, desto näher rückt die oft unbewusste Angst vor einem Absturz. Vielleicht schaltet man auch einfach einen Gang runter und kommt in die

 

Phase zwei: Realismus & Pragmatismus

 

Erfahrungen werden eingesetzt, um die tägliche Arbeit gut zu bewältigen. Die Arbeit macht Freude, weil auch ausreichend Zeit (und Energie!!) für ein Privatleben bleibt. Man nimmt sich genauso viele Aufgaben vor, dass man sie zufriedenstellend bewältigen kann. Man ist stolz auf die Ergebnisse der eigenen Arbeit. Eine kerngesunde Phase, in der es allen Menschen richtig gut geht.

 

Phase drei: Überdruss & Stagnation

 

Spätestens im mittleren Berufsalter, oft aber auch durch äußere Entwicklungen, tauchen verstärkt Fragen und Zweifel auf, die aber nicht beantwortet oder geklärt werden: Mache ich diese Tätigkeit jetzt bis zur Rente? Fange ich noch mal was Neues an? Hält mein Körper so lange durch? Kann ich mich gegenüber den jüngeren Kollegen behaupten u.ä.? Es entsteht Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung. Erste Unlustgefühle zeigen sich und ein leichter Einbruch der Leistungsfähigkeit, der aber mit operativer Geschäftigkeit überspielt wird. Erste körperliche Symptome (Kopfschmerz, Rücken- und Nackenschmerzen).

 

Phase vier: Rückzug & Depression

 

Die Gefühle der dritten Phase verstärken sich, wenn sie nicht aktiv aufgelöst werden. Arbeit wird zunehmend als Belastung empfunden. Antriebslos schleppt man sich dem Wochenende entgegen. Es kommt zu zynischen Ausbrüchen. Schuldsuche bei Anderen. Genervt von der eigenen Umgebung, ziehen sich die Menschen in dieser Phase immer mehr zurück, bis in die Isolation. Die körperlichen Reaktionen werden heftiger und reichen von Gefühlen der Enge/ Platzangst, über Angst- und Panikattacken bis zum „eingebildeten Herzinfarkt“.

 

Phase fünf: Apathie & Verzweiflung

 

Ab diesem Punkt ist eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr gegeben. Oft sehr plötzlich und unerwartet versagt der Körper seinen Dienst. Die Welt wird als Feind empfunden. Das eigene Verhalten wird destruktiv, bis hin zum Selbsthass. Jede Möglichkeit zur Flucht wird genutzt: Alkohol, Drogen, Medikamente, Internet, Spiele… Am Ende nur noch eine riesige Leere, die man ohne fremde Hilfe nicht mehr verlassen kann.

 

(Verlaufsphasenmodell eines Burnout von Eckhart H. Müller- Timmermann: Ausgebrannt – Wege aus der Burnout- Krise; Herder 1994)

 

Es gibt keinen klaren Punkt, an dem ein Burnout beginnt. Jeder Mensch durchlebt die meisten Phasen als natürlichen Veränderungsprozess, als Teile seines normalen Lebens. Eine Gefährdung ergibt sich daher nicht aus einem momentanen Zustand, sondern wenn ein Wechsel aus einer Phase nicht mehr möglich scheint. Das macht eine Diagnose auch für Fachleute so schwierig.

Wer sich im Verlauf der letzten Monate z.B. überwiegend in Phase vier befunden hat, sollte sich mit seiner Situation auseinandersetzen. Zahlreiche Betroffene wähnen sich selbst in der Sicherheit einer Phase eins oder zwei, weil das ihrem Selbstbild entspricht und erkennen dabei nicht ihren eigenen kritischen Zustand.

 

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